Spinalkanalstenose
(Spinalkanalverengung)

*Liebe Patienten
Die folgenden Informationen sollen Ihnen bei der Entscheidungsfindung helfen. Diese beinhalten die Antworten namhafter Experten Europas in der Behandlung von Wirbelsäulenerkrankungen. Die Informationen sollen Ihnen aufzeigen, wie die meisten Experten in der jeweiligen Situation vorgehen würden. Sie spiegelt zwar eine vernünftige Vorgehensweise wieder, ersetzt jedoch nicht die sorgfältige Abklärung Ihrer persönlichen Situation. Sollte also die Meinung Ihres Arztes/Ihrer Ärztin von den untenstehenden Antworten abweichen, fragen Sie nach, worauf seine/ihre Entscheidung beruht. Die Informationen auf dieser Webseite ersetzen nicht das persönliche Gespräch mit Ihrem Arzt. Wenden Sie sich bitte für Informationen zu Diagnose und Behandlung immer auch an Ihren Arzt!


Definition:
Unter einer "Spinalkanalstenose" versteht man die Einengung des Spinalkanals.
Innerhalb der Wirbelsäule befindet sich der Wirbelkanal, der Spinalkanal. Die Struktur aus Knochen und Bändern ummantelt das weiche Rückenmark und bildet dadurch einen knöchernen Schutz für das Rückenmark und die Nervenwurzeln. Die Spinalkanalstenose ist häufig degenerativ bedingt, denn auch an der Wirbelsäule kommt es in zunehmendem Alter zu arthrotischen Veränderungen. Diese imponieren durch eine Gelenkspaltverschmälerung, Sklerosierungen sowie durch osteophytäre Randanbauten. Die Randanbauten können in den Spinalkanal hineinragen und zu einer Kompression der Nervenwurzeln führen. Man spricht von einer relativen Spinalkanalstenose wenn der Durchmesser des Spinalkanals weniger als 12 mm beträgt und von einer absoluten Spinalkanalstenose wenn der Durchmesser weniger als 10 mm beträgt. Dieses Kriterium reicht manchmal jedoch nicht zur Beurteilung aus, da der Spinalkanal in der Mitte noch ausreichend weit sein kann, an den Rändern des Spinalkanals jedoch schon eine Enge besteht, die die dort liegenden Nerven einengt (Rezessusstenose).
Abbildung: normaler und verengter Spinalkanal

Spinalkanal:
Der Spinalkanal erstreckt sich vom Hals- bis zum Kreuzbeinbereich. Er enthält den Rückenmarkssack, bestehend aus der Rückenmarkshaut (Dura), die im Hals- und Brustbereich das Rückenmark und ab Übergang Brust-/Lendenwirbelsäule nur noch die Nervenwurzeln enthält, die sich bis in den Kreuzbeinbereich erstrecken.
Begrenzt wird der Spinalkanal im vorderen Bereich durch die Rückseite der Wirbelkörper mit den Bandscheiben, seitlich durch die kleinen Wirbelgelenke (Facetten) und hinten durch die Wirbelbögen. Zwischen den Wirbelbögen spannt sich schräg von oben nach unten ziehend das gelbe Band (Ligamentum flavum). Dieses ist in der Regel nur wenige Millimeter dick. Durch degenerative Prozesse im Laufe des Lebens kommt es im Rahmen von Instabilitäten zu einer Zunahme des Knochenanbaus an den Facetten, die zuletzt ein Vielfaches ihrer ursprünglichen Größe einnehmen können. Gleichzeitig kann es zu einer Zunahme der Stärke des Ligamentum flavum bis auf über einen Zentimeter kommen. Nicht ungewöhnlich sind zusätzliche Einengungen des Lumens durch Bandscheibenvorwölbungen. All diese Veränderungen führen letztendlich dazu, dass die Nervenwurzeln im verbliebenen Spinalkanal zusammengedrückt werden. Die Spinalkanalstenosen-Operation dient im Grunde dazu, diese Einengung des Spinalkanals zu beseitigen.

Symptome:
Meist ist der Wirbelkanal auf Höhe der Lendenwirbelsäule verengt (lumbale Spinalkanalstenose). Betroffene leiden unter chronischen Rückenschmerzen, die sich beim Gehen deutlich verstärken und in die Beine ausstrahlen. Patienten mit einer Spinalkanalstenose können nur eine bestimmte Strecke schmerzfrei gehen. Nach einer gewissen Strecke muss das Gehen schmerzbedingt eingeschränkt werden. Beim Radfahren oder Bergabgehen, das in einer entlordosierter Haltung stattfindet, haben die Patienten keine Beschwerden. Stärker werden die Beschwerden hingegen im Bergaufgehen und längerem Sitzen. Weiterhin klagen die betroffenen Patienten über ein Schweregefühl in den Beinen sowie über Sensibilitätsstörungen beim Gehen, welche im Genitalbereich und im Bereich der Beine auftreten können.

Ursachen:
Die Ursachen für einen verengten Wirbelkanal können angeboren oder erworben sein. Angeborene Defekte wie Wirbelmissbildungen oder erbliche Faktoren begünstigen die Krankheit ebenso wie Abnutzungserscheinungen der Wirbelkörper und der Bandscheiben. Oft treten angeborene und erworbene Ursachen auch kombiniert auf. Nicht immer ist bekannt, wodurch die Spinalkanalstenose entsteht. Die lumbale Spinalkanalstenose ist in höherem Lebensalter eine sehr häufige Erkrankung. Bei über 60-jährigen liegt bei jedem fünften Patienten eine Verengung des Spinalkanals vor.

Häufigkeit:
Gemäß der Definition einer Spinalkanalstenose (siehe oben) hätten 40% aller Menschen über 50 Jahre eine Spinalkanalstenose der Lendenwirbelsäule. Wie bereits erwähnt, muss jedoch immer der Einzelfall betrachtet werden, um zu entscheiden, ob eine Therapie erforderlich ist und gegebenenfalls welche.

Therapie:
Die Spinalkanalstenose lässt sich in vielen Fällen sehr gut konservativ, das heißt ohne Operation behandeln. Neben krankengymnastischen Übungen kann ein Korsett die Wirbelsäule stabilisieren und entlasten. Auch Wärmeanwendungen, Schmerzmittel und entzündungshemmende Medikamente lindern die Beschwerden. Bringen diese Maßnahmen keine Besserung, ist manchmal auch eine Operation erforderlich. Durch eine Operation lassen sich oft sehr gute Erfolge erzielen. Der Chirurg entfernt dabei sorgfältig Knochen- und Gewebeanteile die in den Spinalkanal hineinragen. (Dekompression) Nach der Operation ist das Rückenmark nicht mehr durch Druck belastet und die Beschwerden der Patienten sind beseitigt. Zu beachten sind jedoch mögliche Komplikationen der chirurgischen Eingriffe an der Wirbelsäule.

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